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Tiefsinnige CD "Winternachtmusik"

Kritik zum neuerschienenen Album "Winternachtmusik"

Tiefsinnige CD „Winternachtsmusik“

Weltpremieren-Einspielung: Werke von Martin Herchenröder für Cello und Klavier

Beziehungsreich,tiefsinnig und von bestechender Klangfülle - so präsentiert sich die gerade beim Label NEOS Music erschienene CD mit Werken des in Siegen lebenden und wirkenden Komponisten Martin Herchenröder für Violoncello und Klavier. Zwei- nicht nur für moderne Musik-hochausgewiesene Virtuosen ihres Faches: Friedrich Gauwerky, Violoncello, und der in Siegen aufgewachsene Pianist Severin von Eckardstein gestalten Duos und Solostücke, die einen Kompositions-Ausschnitt aus 25 Jahren des an der Siegener Universität lehrenden Professors Martin Herchenröder bieten, der auch als Organist und Leiter des Studios für neue Musik weltweit große Anerkennung genießt. Zweien seiner Freunde ist die CD gewidmet. Der Titel „Winternachtsmusik“ erinnert an den Siegener Kunstwissenschaftler und (meist „nachtaktiven“) Cellisten Gundolf Winter. Daniel Hees schuf neben den Plakaten für die Konzerte des STfNM auch das Titelblatt „watercolour“ für die CD, wie aus dem sehr schön gestalteten und informativen Booklet hervorgeht. Die Klavier-Etüde (2009) „Bäume und Steine“ ist ihm gewidmet. Severin von Eckardstein lässt darin glitzernde Arabesken, wuchtig sich auftürmende Akkordtürme, sich verzweigendes Tongeflecht und klangvolle Lichtinseln virtuos glänzen. Das zentrale, von dem alten Dürerstich „Melencolia 1514“ inspirierte Stück „Winternachtsmusik“ für Violoncello (2003) gibt Friedrich Gauwerky Gelegenheit, alle Möglichkeiten des Cellos auszukosten und im Schwelgen, Zupfen, Klopfen, Tremolieren, in Glissandi und in klagenden Vierteltönen die Vergänglichkeit alles Seins nachzuempfinden. Die über Jahre hinweg entstandenen elf Solostücke „Miniaturen“ (2013) für Cello bilden einen Kosmos an kurz aufblitzenden oder rezitativisch innehaltenden, hoch expressiven Motivgestalten.

Sehr beeindruckend sind die Duostücke für Cello und Klavier. Die 1993 entstandenen,sehr düsteren „Stücke über den Tod“ oder „Kontakte“ (1995/96) sind ein Kaleidoskop an zarten, dann wieder stumpf pochenden Episoden, die in stetem Wechsel, Gegeneinander und Sich-Finden, in zauberhaft klangvollem Auskosten der instrumentalen Möglichkeiten (harfenähnlich verfremdetes Klavier) sowie in hochvirtuosen Pseudo-Tänzen und verklingenden Einzeltönen enden. Noch viel mehr gibt es zu entdecken (z. B. musikalische Begegnungen mit Paul Klee). Die CD ist eine Weltpremieren-Einspielung: Man höre und staune!

Isabel Lippitz